Wie sieht’s denn hier aus?

Susanne Falk, »Das Wunder von Treviso« — Hörbuch zu verschenken

Wenn ich irgendwohin mit der Bahn fahre, schnappe ich mir gewöhnlich sofort die Mobil und lese die Buchvorstellung und das dazugehörige Autoren-Interview. Die Mobil-Redaktion ist da in der Auswahl äußerst treffsicher – dabei natürlich massenkompatibel – und ich gebe zu, sehr oft gehe ich danach kurzerhand in die nächste Bahnhofs­buchhandlung und kaufe mir das vorgestellte Buch. Und ich bin eigentlich noch nie enttäuscht worden. Einige der Bücher habe ich noch lange in guter Erinnerung.

Beim »Wunder von Treviso« war es etwas anders. Es wurde in der August-Ausgabe der Mobil vorgestellt. Der abgedruckte Anfang des Buches war unterhaltsam, die Autorin fand ich interessant, da sie ungefähr in meinem Alter ist, wahrscheinlich hätte ich das Buch aber nicht gekauft. Als nun allerdings kurze Zeit später das (auf 3 3/4 Stunden gekürzte) Hörbuch bei Blogg dein Buch angeboten wurde, dachte ich spontan, »Das probier ich mal aus!«.

 

Inhalt

In der Geschichte geht es um eine kleine, etwas zu ruhige Stadt in Nord­italien und deren kauzige Einwohner, die eine alte Marienstatue dazu bringen, rote Tränen zu weinen, um durch dieses »Wunder« mehr Beachtung zu erhalten.

Gesprochen wird das Buch von Dietmar Wunder, der seine Sache sehr gut macht. An keiner einzigen Stelle hatte ich den Eindruck, da liest jemand diesen Text zum ersten Mal (!), wie es mir bei anderen Hörbüchern schon manchmal erging.

Die Geschichte ist für mich eine Mischung aus Don Camillo, ein bisschen Asterix und Obelix und Villarriba und Villabajo aus der Spülmittel-Werbung. Die Handlung pläterschert vom ersten Moment bis zum Ende recht gleichmäßig und heiter, mit einem gewissen Tempo dahin. Konflikte werden zügig gelöst, bevor sie bedrohlich werden können. Es ist unter­haltsam, aber nicht fesselnd. Die Protagonisten sind sympathisch, ein kleines bisschen eigen, aber in ihnen schlummern keine tiefgründigen Geheimnisse, kurz: sie sind etwas »glatt«. Außerdem fehlte mir sehr eine Identifikationsfigur, mit der ich die Handlung hätte durchleben können. Sowohl Don Antonio als auch seine Schwester Maria beobachtet man eher als Außenstehender. Ab und zu gibt es aber Momente, in denen in einem kurzen, klaren Satz Wahrheiten / Lebensweisheiten aufblitzen – heruntergebrochen auf ganz simple Begebenheiten im Leben der Protagonisten; das gefiel mir ganz gut. Zum Beispiel an der Stelle, wo der Hintergrund des jahrelangen Streits zwischen Don Antonio und seiner Schwester erklärt wird.

Im Großen und Ganzen handelt es sich um eine gut konstruierte, gut erzählte, runde Geschichte. Das ist durchaus eine Leistung! Und wer ein Buch sucht, das einen nicht mit Haut und Haar für sich einnimmt und tagelang ans Sofa fesselt, sondern einfach mal zur Unterhaltung zwischen­durch, zur Überbrückung von Wartepausen oder für den Urlaub, dem kann ich das Hörbuch empfehlen. Inwieweit sich meine Meinung auf das eigentliche Buch (das ja gekürzt wurde – und ich weiß nicht, um wieviel) übertragen lässt, kann ich leider nicht sagen.

 

Cover

Das Cover zeigt in erster Linie eine gut gemachte Illustration, wie sie auf Buchtiteln und im Editorial-Bereich nun schon seit einiger Zeit in Mode sind, nicht außerordentlich originell, aber in Ordnung. Bei der Typo hat man sich offensichtlich um einen handgemachten Look bemüht (jeder einzelne Buchstabe ist anders), was sehr löblich ist, denn für solche Spielereien fehlen oft Wertschätzung und Zeit. Warum man aber dann hingegangen ist, zwei so unterschiedliche Schreibschriften zu verwenden (eine im Bunstift-Stil und verbunden, die andere saubere Vektorflächen und aus unersichtlichem Grund komplett unverbunden), statt eine stimmigere Gestaltung anzustreben, das ist mir ein Rätsel.

 

Wer nun neugierig auf das Buch wurde, kann mir einen Kommentar hinterlassen, denn ich würde mein Exemplar gerne weitergeben. Oder aber, Ihr bestellt es gleich hier (Verlag: Jumbo). Und wer noch unschlüssig ist, dem hilft vielleicht diese 17-minütige Hörprobe weiter.

Hat jemand das Buch gelesen (statt gehört)? Und – wie war’s?

26. August 2011

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